Europäische Privatinsolvenz

Thorben Wengert  / pixelio.de

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Die Privatinsolvenz – Leider gibt es in der heutigen Zeit immer mehr Privatpersonen, und dies nicht nur in Deutschland, die Ihre entstandenen Schulden, die finanziellen Forderungen Ihrer Gläubiger also, nicht mehr tilgen können. Jobverlust, Trennung, oder eine anhaltende Unternehmensflaute können, um nur einige Beispiele zu nennen, eine Ursache dafür sein. Kurz- oder langfristig gesehen bleibt Ihnen dann, als letzter Ausweg sozusagen, nur noch die Privatinsolvenz.

Privatinsolvenz in Deutschland

Zuerst müssen Sie eine Zahlungsunfähigkeit vor Gericht nachweisen können um überhaupt an einem Privatinsolvenzverfahren teilnehmen zu können. Alles was noch an Privateigentum vorhanden ist, als finanziell verwertbaren Besitz angesehen werden kann, wird gezwungenermaßen verkauft oder versteigert, um den meisten Forderungen Ihrer Gläubiger in absehbarer Zeit doch noch entgegen kommen zu können. In den meisten Fällen, bliebe danach noch eine Restschuld bestehen. Das Gericht kann Sie, unter bestimmten Voraussetzungen, von dieser Restschuld befreien. In Deutschland ist ein Privatinsolvenzverfahren eine langwierige und unangenehme Prozedur, die bis zu 9 Jahren andauern kann. Von diesen 9 Jahren werden schon einmal 6 Jahre als „Wohlverhaltensperiode“ angesehen. In dieser Zeit dürfen Sie sich nichts zu Schulden kommen lassen (z.B. eine Neuverschuldung), sonst kann das ganze Verfahren wieder eingestellt werden.

Privatinsolvenz in Europa

Nun gibt es schon seit längerem die Möglichkeit eine Privatinsolvenz auf europäischer Ebene austragen zu lassen. Eine sogenannte Europäische Privatinsolvenz. Seit es die Europäische Insolvenzverordnung gibt, kurz EulnsVO (31. Mai 2002), an die sich jedes EU-Mitglied halten muss (außer Dänemark), ist es jedem EU-Bürger gestattet seine Privatinsolvenz in jedem der EU- Mitgliedsstaaten vorzunehmen, oder besser gesagt vornehmen zu lassen.
Dazu benötigen Sie vor allem die notwendigen finanziellen Mittel, da sich diese Europäische Privatinsolvenz nicht ohne Anwalt, einer Wirtschafts- oder auch Insolvenzkanzlei, professionell gestalten lässt. Als relativ „kleiner“ Privatschuldner lohnt es sich also nicht, eine Europäische Privatinsolvenz überhaupt in Betracht zu ziehen. Nur wenn Sie es sich noch leisten können, wäre eine Europäische Privatinsolvenz gegenüber einer deutschen Privatinsolvenz stark zu präferieren.

Natürlich sind bei einer Europäischen Privatinsolvenz auch einige gesetzliche Voraussetzungen zu beachten. Sie müssten Ihren Hauptwohnsitz (Lebensmittelpunkt) dorthin verlagern, also in das von Ihnen bevorzugte EU-Land, an dem Sie vor Gericht gehen möchten. Erst dann, wenn Sie offiziell in diesem Land gemeldet sind, haben Sie das Recht die Europäische Privatinsolvenz und damit die Europäische Insolvenzverordnung (EulnsVO) nutzen zu dürfen. In den meisten Ländern, wie z.B. in England, wird von Ihnen erwartet, dass dieser neue Wohnsitz (COMI), mindestens seit 6 Monaten vor Beginn der Antragsstellung der Europäischen Privatinsolvenz, schon existiert. Zudem müssen Sie nachweisen können, dass Sie in der finanziellen Lage sind selbst für Ihren Lebensunterhalt, und eventuell den Ihrer mit angereisten Familie, sorgen zu können.

Außer England und Wales, gibt es selbstverständlich weitere attraktive EU-Länder, wie zum Beispiel Spanien oder auch Frankreich, wo eine Europäische Privatinsolvenz über einer deutschen Privatinsolvenz zu bevorzugen wäre. Im Vergleich zu Deutschland, mit seinen langen 6 Jahren, dauert es nämlich in diesen EU-Ländern nur kurze 1 bis maximal 1,5 Jahren.

Weitere Informationen:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/privatinsolvenz-abhauen-und-tee-trinken-1.177740
http://www.hd-gbpics.de/blog/europaische-privatinsolvenz/

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